So schön!

Mein erster Puppenkurs ist gestern Abend zu Ende gegangen und es war so schön! Welch eine Freude, die Puppen langsam entstehen zu sehen, die Vorfreude vor jedem der drei Termine der Teilnehmer*innen zu erleben und das Staunen darüber, was man mit den eigenen Händen aus Wolle und Stoff so zaubern kann. Mich fasziniert immer wieder, wie verschieden die Puppen werden. Man sieht ihnen einfach an, dass sie schon eine Geschichte mit sich tragen, die Geschichte, wie sie entstanden sind, für wen sie gemacht wurden und natürlich tragen sie ganz viel von der Person in sich, die sie gemacht hat. 

Das Puppenmachen ist stets von Ruhe und etwas Friedlichem umgeben, wie ich finde: Gemeinsam um einen Tisch sitzen mit Tee und Gebäck (danke Tilli und Friede) und mit den Händen arbeiten, manchmal in angeregtem Gespräch, manchmal in aller Stille. Hin und wieder ein leises Fluchen, auch das gehört dazu ;-). Und all das und die schöne Atmosphäre haben dazu beigetragen, dass sich meine wahnsinnig große Aufregung schnell gelegt hat. Und so haben wir am ersten Abend den Kopf gefertigt (die Wollkugel war die größte Herausforderung) und die Glieder gestopft, am zweiten Abend Arme, Beine und Kopf an den Körper genäht und am dritten Abend gleich zu Beginn das Gesicht gestickt. Ich war begeistert über so viel Mut, Unbekümmertheit und Geschick beim Augensticken- da kann ich mir noch was abgucken! Und ganz am Ende, nachdem die Perücke festgenäht und die Haare eingeknüpft waren, kam noch etwas Wangenrot auf die Bäckchen. Fertig sind sie, diese wunderschönen Puppenkinder:

Puppenkurs im Dezember

Das ist eine Premiere und ich freue mich riesig: ich gebe noch vor Weihnachten meinen ersten Puppenkurs. Er findet in Kooperation mit Tilli und Friede von Elvida statt, die jetzt einen schönen Laden auf der Louisenstraße 29 haben. Falls ihr Interesse habt, könnt ihr euch über die Webseite oder direkt im Laden anmelden. Hier sind die Details:

Termin: 10., 11, und 12.12.2018, jeweils 18.30 Uhr - 21.30 Uhr

Kosten: 150,- Euro (alle Materialien inklusive)

Keine Vorkenntnisse im Nähen erforderlich!

 

Wir nähen eine 35 cm große Gliederpuppe mit beweglichen Armen und Beinen und einem Po, so dass die Puppe selbstständig sitzen kann. Die Körperteile sind vorgenäht und werden im Kurs mit Wolle gestopft und mit Hand an den Rumpf genäht. Den Kopf stellen wir gemeinsam her und ihr könnt ihn ganz nach euren Wünschen und Vorstellungen gestalten: mit oder ohne Nase, große oder kleine Augen usw.. Die Häkelperücke ist ebenfalls schon fertig, sie wird an den Kopf genäht und die Haare werden in gewünschter Länge hineingeknüpft.

Für jeden Schritt stehe ich euch zur Seite, damit ihr am Ende glücklich mit eurer fertigen Puppe nach Hause gehen könnt. Ich freue mich auf das gemeinsame Puppennähen!

 

Folgendes könnt ihr mitbringen, falls vorhanden, ihr müsst aber nichts extra besorgen:

- Kochlöffel oder/ und Essstäbchen zum Stopfen der Glieder

- Stoffschere

- kleine Zange

- Handnähnadeln in verschiedenen Stärken und Längen

- Puppennadeln

- Stecknadeln und/ oder Clips

- Häkelnadel Stärke 3 oder 4

Vergesst nicht, am letzten Abend einen Beutel (und evtl. Puppenkleidung) mitzubringen, um eure Puppe mit nach Hause zu nehmen!

Gebeugte Arme und Beine für Puppen - ein Schnittmuster erstellen

So, man lernt ja nie aus. Nachdem ich ein Schnittmuster für gerade Puppenbeine und -arme erstellt hatte und das wirklich gut geklappt hat, bin ich voller Elan daran gegangen, und habe eines für Babypuppen mit gebeugten Gliedmaßen gezeichnet. Ich habe es im Copyshop auf verschiedene Größen kopiert und gleich zugeschnitten, Arme und Beine natürlich in zweifacher Ausführung. Und dann? Mir war durchaus bewusst, dass der Maschenlauf eine Rolle spielt bei der Erstellung eines Schnittmusters, aber so? Ich war frustriert. Aus meinen schön gezeichneten Armen und Beinen waren unförmige Gliedmaßen entstanden. Die Ursache war schnell gefunden: Maschenlauf! Und damit nicht alles umsonst war dachte ich, ich teile die Ergebnisse meiner unfreiwilligen Versuchsreihe mit Euch.

Der Stoff für den Körper ist ein fester Trikotstoff, ein Jersey ohne zusätzliches Elastan, d.h. der Stoff ist gestrickt und nicht sehr dehnbar. Auf der Vorderseite sieht man die rechten Maschen, die sich wie Vs übereinander stapeln (glatte Seite) und eine senkrechte Streifenstruktur bilden.

Entlang dieser "Streifen" oder Rippen verläuft der Maschenlauf (gelber Streifen). Die Rippen lassen sich auseinanderziehen, aber nicht in die Länge. Das bedeutet, der Stoff ist senkrecht zum Maschenlauf (grüner Streifen) dehnbarer als entlang des Maschenlaufs.

Hier noch ein kleiner Tipp: bevor ihr den Stoff faltet, um die Schnittmusterteile aufzulegen, fahrt mit dem Fingernagel eine der Rippen entlang, so entsteht eine gut sichtbare Linie (auf dem linken Bild rechts neben der orangenen Linie zu erahnen). An dieser Linie faltet ihr den Stoff oder richtet das Schnittmuster daran aus. Falls ihr eine Schneidematte mit Raster habe, geht es noch einfacher: den Stoff mit Hilfe der gezogenen Linie an dem Raster ausrichten und dann falten, der Bruch liegt dann im Maschenlauf.

An den folgenden Beispielen sieht man ganz deutlich, in welche Richtung sich der Stoff dehnt und in welche nicht und was das für Auswirkungen nach dem Stopfen auf die Form hat. Das ist vor allem bei gebogenen Gliedmaßen der Fall, weil sich innerhalb der Arme und Beine die "Richtung" ändert.

Beim Stopfen der Arme und Beine wird der Stoff extrem beansprucht, da man mit viel Kraft die Wolle hineinstopft, bis alles schön fest ist. Links seht ihr das Schnittmuster und das daraus entstandene Bein, der orangene Streifen zeigt den Maschenlauf an. Wäre das Bein gerade, so würde sich der Stoff von der Wade über das Knie bis zum Oberschenkel gleichmäßig dehnen. Da wir aber die Biegung nach dem Knie haben, ändert sich das Dehnverhalten des Stoffes. Das hat zur Auswirkung, dass sich

a) der Stoff am Oberschenkel nicht mehr ausdehnt und der Oberschenkel fast dünner bleibt als die Wade und

b) der Stoff ab der Kniebeuge beim Stopfen extrem in die Länge (da senkrecht zum Maschenlauf) gezogen wird und das Bein viel zu lang macht.

Es hat drei Anläufe gebraucht, bis ich zufrieden mit dem Ergebnis war, wobei ich den Oberschenkel immer noch kürzen muss (mittleres Bild, rechtes Bein und rechtes Bild). Ich habe den Unterschenkel gekürzt, das Knie etwas nach vorne gezogen und den Oberschenkel 2x verbreitert.

Noch deutlicher wird es bei den Armen. Hier habe ich versehentlich den Arm so aufgelegt, wie auf dem linken Bild zu sehen ist: der Oberarm liegt im Maschenlauf. Herausgekommen ist eine längliche Hand, ein extrem schmales Handgelenk und ein dicker Oberarm. Für den Arm auf dem rechten Bild habe ich das Schnittmuster so aufgelegt, dass die Rippen (Maschenlauf) auf der Hand senkrecht laufen. Das sieht schöner aus und es kommt auch ein wohlproportionierter Arm heraus ;-). Den Oberarm habe ich sogar noch etwas verbreitert, weil der wie beim Oberschenkel nach der Biegung im nicht-dehnbaren Bereich liegt. Könnte sogar noch etwas breiter sein. Es ist das gleiche Schnittmuster und heraus kommen zwei völlig unterschiedliche Formen. Beeindruckend, oder?

Also: immer auf den eingezeichneten Maschenlauf (oder Fadenlauf) achten wenn Ihr zuschneidet und beim Erstellen eines Schnittmusters lieber mal ein Probebein und -arm nähen. Was habt ihr für Erfahrungen gemacht mit dem Maschenlauf beim Puppennähen oder anderswo?